FIREFOX

Fliegerhorst Hinterstoisser in ZELTWEG, als Filmkulisse einer HOLLYWOOD-Produktion

Militärhistorischer Beitrag von Vzlt i.R. BÖSEL Kurt (ÜbwGschw)

Dass der Fliegerhorst ZELTWEG vor mehr als 50 Jahren Austragungsort von Flugplatzrennen war – einaml kam man sogar zu Formel1- Weltmeisterschaftsehren – oder, dass über viele Jahre hinweg beachtete Flugshows, nunmehr „Air Power“, mit großem internationalen Echo stattfanden, ist sicher noch da und dort im Gedächtnis abgespeichert bzw. noch in guter Erinnerung.

Dass aber der Fliegerhorst einmal Drehort für eine Warner Bros.-Produktion „FIREFOX“ war ist sicher nur noch jenen Leuten in Erinnerung, die einen Zutritt zum Fliegerhorst hatten oder die von einem Bediensteten mit hinein genommen worden sind.

Aber genau das geschah im Jahre 1981….

Der Hollywood-Star Clint EASTWOOD führte Regie und stellte selber auch den amerikanischen Piloten Mitchell GRANT dar. Und der allseits bekannte deutsche Schauspieler Klaus LÖWITSCH (verstorben 2002) spielte dabei die Rolle des russischen Generals VLADIMIROW.

Wissenswerstes zu den Dreharbeiten

Die Aufbauten der Kulissen dauerten fast 14 Tage, für den eigentlichen Filmdreh benötigte man dann nur einen Tag bzw. eine Nacht.

Für die Filmaufnahmen wurden neben dem ehemaligen Tower ein wuchtiger Wachturm aufgebaut und die Halle IV (ehemalige Fliegerwerft) erhielt einen Zubau, der einen Bunkereingang irgendwo in der Sowjetunion darstellen sollte. Der Hangar sah sowieso danach aus, als stünde er irgendwo in Russland – damit erübrigte es sich für die die Filmcrew, lange daran „herum zu pinseln“. Einige Wehrmänner wurden für die Aufbauarbeiten im Dienst herangezogen.

Halle 4 im Hintergrund

Zum Bauen der Gebäude erinnert sich der ehemalige Wehrmann Walter BAUER:

Während der Dienstzeit mussten wir sozusagen gratis beim Aufbau der Kulissen arbeite – „abgestellt“ heißt so etwas in der Militärsprache. Nach Dienstschluss bekamen wir immerhin 30 Schilling in der Stunde bezahlt. Neben dem besagten „Wachturm“ und dem „Bunkereingang“ wurde von uns auch ein langer Zaun errichtet, der vom Wachturm entlang des Sportplatzes bis zur ehemaligen Funkbaracke ging. Der Zaun bestand aus vorgefertigten Teile mit hölzernen Rahmen, die von uns auf „Stahllook“ lackiert wurden. Der von der Filmcrew verwendete Stacheldraht war relativ dünn und mit „rostfarbenem“ Kunststoff überzogen. Mit dem Stacheldraht mussten wir auch den großen Wachturm umwickeln!

Während der Aufbau-Phase landeten auch Piloten mit Saab 105 aus GRAZ und staunten nicht schlecht, als der Flugplatz neue Gebäude bekam.

Bezüglich dieses „Wachturms“ passt auch folgende Anekdote vom ehemaligen Leiter der Militärwetterwarte Dr. Eduard WALLASZKOVITS, der Folgendes erzählte:

Ich war zum Zeitpunkt der Aufbauarbeiten der Filmkulissen gerade auf Urlaub und hatte daher auch keine Ahnung von den Dreharbeiten. Als ich dann nach dem Urlaub wieder meinen Dienst in der Wetterwarte im Kontrollturm antrat und in Herrgottsfrühe beim Fenster rausschaute, traute ich fast meinen Augen nicht, als ich dieses schwarze Ungetüm sah, das man neben der Garage der Fliegerhorst-Feuerwehr aufgestellt hatte. Erst nach und nach erfuhr ich dann den Zweck dieser „Bautätigkeiten.“!

Einige Beschäftigte des Fliegerhorstes konnten sich als Komparsen – so z.B. u.a. Vzlt iR LIEBMINGER Michael – in Szene setzen. Herr LIEBMINGER erinnert sich, dass das ehemalige Kinogebäude der Sammelpunkt für die Komparsen war, dort wurden sie geschminkt und eingekleidet. Er spielte bei den Dreharbeiten übrigens einen russischen „Wachsoldaten“!

Komparsen im Dienst

Ja, und ein Heeres-Hubschrauber (eine AB206 Jet-Ranger) war auch eingesetzt, um die nächtlichen Szenen am Boden mittels Suchscheinwerfer in ein grelles Licht zu tauchen. Ein weiterer Hubschrauber, eine Alouette III, flog für das Flugplatz-Flair. Die Hubschrauber hatten damals die österreichischen Hoheitsabzeichen abgedeckt und mit russischen Sternen überklebt.

AB206 der russischen Armee (Foto: Warner Bros)

Dazu passt auch jene Anekdote, die der Artikel-Autor von einem pensionierten Werftbediensteten gehört hat:

Da geht der MAURER Fred (ehm. Angehöriger der 2. Sta/ÜbwGschw THALERHOF) am Werfthangar vorbei, und aus dem 1. Stock schaut die damalige Sekretärin LIEBMINGER Maria beim Fenster raus. Da ruft der MAURER Fred zu ihr hinauf: ´Pass auf Miatz, dös is a Agentenfülm und ka Gruslfülm´.

Nur zur Erklärung: Die handelten Personen hätten es damals, ihrem Alter entsprechend, bei einem Schönheitswettbewerb nicht einmal ein die Vorrunde geschafft. Aber man muss sich halt auch vor Augen halten, das war immerhin im Jahre 1981, keine Rede noch von ‚gendern‘. Und dass alles in einer von Männern dominierten Arbeitswelt, wie es die Fliegerwerft damals darstellte. Auch war es in keiner Weise so, dass man auf das andere Geschlecht „losging“ – da durfte man sich als „Mann“ auch keine Schwächen erlauben, denn sonst war man gleich einmal auch „auf der Schaufel“ seiner Arbeitskollegen. Kameraden waren sie jedenfalls nicht unbedingt!

Walter Bauer konnte auch als Komparse auftreten und konnte beim Filmdreh zusehen, als Clint EASTWOOD aus dem Kofferraum eines „riesigen PKW“ geholt wurde. Die Szene wurde 3x gedreht und im Film ist diese etwa 0,75 Sekunden zu sehen. Bei dem Fahrzeug handelte es sich wahrscheinlich um ein Auto der russischen Marke „WOLGA“, in dem die beiden Vizeleutnante FERCHNER und MAZELLE alsKomparsen drinnen saßen!)

Turm, Auto und Halle in ZELTWEG

Die Filmaufnahmen selbst dauerten nur einen Tag. Während der Dienstzeit wurden Komparsen abgestellt, nach Dienstschluss wurden die Personen ordentlich bezahlt, etwa 30 ÖS (österreichische Schilling) pro Stunde. Das war damals etwa der Tagessatz eines Wehrmanns.

Groß war aber die Enttäuschung für die heimischen Komparsen und für die vielen Schaulustigen aus der Region, denn als man mit Spannung den fertigen Film sehen konnte, musste man feststellen, dass die Szenen vom Dreh am Fliegerhorst nicht einmal 8 Sekunden lang waren!

Eine Filmsequenz wird bei youtube abgespielt, wenn man auf dieses Foto klickt.

Die Außenaufnahmen für den Handlungsort MOSKAU wurden übrigens allesamt in WIEN (U-Bahn Linie U4 und U1) gedreht.

Interessanterweise findet aber der Dreh am Fliegerhorst ZELTWEG im Internet keine Erwähnung, lediglich von Szenen in Wien!

EASTWOOD und sein Filmteam wohnte für die Dauer der Dreharbeiten im GH EIBENSTEINER, vulgo „BRÄUER“ in WEISSKIRCHEN.

Groß war natürlich der Medienrummel rund um die Unterbringung des Hollywood-Stars in diesem verträumten Ort in der Obersteiermark. Und wie man an den Fotos – liebenswürdigerweise vom jetzigen Besitzer des Gasthof Bräuer, Hr. Joachim EIBENSTEINER zur Verfügung gestellt – erkennen kann, hatte sich der schlaksige Amerikaner in dieser Umgebung sichtlich wohl gefühlt. Sei es beim Schießtraining im Keller des Gasthauses, oder bei einem herzhaften Schluck steirischen Bieres, oder, wie es auch heute noch Standard ist beim „Bräuer“, beim genüsslichen Abendessen in der schönen Gaststube!

Auch im Nobelrestaurant Steirereck in WIEN dinnierte, 1981, eines abends Clint Eastwood zusammen mit der ORF-Lady Nora FREY.

Schlussbetrachtung

EASTWOOD wurde anfänglich ja hauptsächlich durch seine Westernfilm berühmt. Und hier wäre besonders „2 glorreiche Halunken“ aus dem Jahr 1966, zusammen mit Lee van CLEEF hervorzuheben. Ich glaube, jeder von uns amüsierte sich damals an den Gestalten aus diesem Film: „The Good, the Bad and the Ugly“ – und genoss dazu natürlich auch die so treffenden Filmmusik von Ennio MORRICONI.

Der Film FIREFOX erhielt jedenfalls von der internationalen Presse nicht unbedingt die beste Kritik, obwohl es sehr aktionsreiche Szenen gab. Doch teilweise bewegte sich EASTWOOD doch zu sehr im Reich der Fantasie, wenn es im Film sowjetische Militärjets gab, die die 6-fache Schallgeschwindigkeit fliegen konnten, oder, wie man es an einem Fotos sehen kann, eine Film-MiG-31 in der Arktis neben einem aufgetauchten U-Boot zum Stehen kommt. Auch unter uns mokierte man sich über solche Szenen, waren wir von der Fliegerei ja alle „Experten“!

Mig-31 beim Start in ZELTWEG

Zum Flugzeug selbst gilt es zu sagen, dass sich EASTWOOD am Projekt North Americna XB-70, der Lockheed SR-71 und russischer Projekte hin zur Mig-31.

Die reale Mig-31 erhielt im Jahr 1977 den NATO-Beinamen „Foxhound“ und wurde 1981 in Dienst gestellt. Es besteht aber keinerlei Zusammenhang zwischen den beiden Luftfahrzeugen.

EASTWOOD wechselte später vom Film ins Regiefach, wo er mit dem Sportdrama „Million Dollar Baby“ 2004 den Oscar für die Beste Regie und den Besten Film erhielt.

Der begnadete Schauspieler und ausgezeichnete Regisseur Clint EASTWOOD wurde heuer stolze 90 Jahre alt, und – was viele auch nicht unbedingt wissen – er war auch Kurzzeitpolitiker für die republikanische Partei , und von 1986-88 sogar Bürgermeister der 3500 Seelengemeinde CARMEL-by-the-Sea, an der kalifornischen Küste südlich von SAN FRANCISCO gelegen.

Abschließende Bemerkung:

Da es während der Aufbauarbeiten und für den Drehtag selbst ein absolutes Fotografierverbot gab, gibt es auch von der Szenerie innerhalb des Fliegerhorstes keinerlei Fotos. Dies ergaben auch Nachforschungen bei „offiziellen Stellen“ wie Printmedien oder bei der Heereslichtbildstelle am Fliegerhorst selbst.

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One thought on “FIREFOX

  1. Michael LöFFLER
    November 30, 2020 at 12:21 pm - Antworten

    Servus Roland!
    Danke für diese vergnügliche Zeitreise ins Jahr 1981, die auch ich – als damals noch junger Wm ROA – in der Werft 2 miterlebt hatte.
    Es gibt in dem Film übrigens noch einen, ebenfalls nur Sekundenbruchteile zu erkennenden, Bezug zum FlH. Das Wohnhaus in dem laut Film der sowjetische Luftfahrtwissenschftler wohnt, ist ganz eindeutig einer unserer Unterkunftsblöcke – allerdings welcher? 🙂
    Ich weiß heute noch, wie meine damaligen Kameraden in der FlWft 2 – ganz im Zeichen des kalten Krieges stehend – belustigt waren, an Wachürmen mit sowjet. Soldaten vorbeizufahren „Jetzt sans do! Es is soweit!“
    Die Fassade der Halle IV wurde übrigens mit einem mächtigen Sowjetstern dekoriert. So ein riesiges, aus rostendem Blech genietetes, vormals rot gestrichen gewesenes mächtiges Ding, von dem der Rost an der Fassade herunterrann. Alles nur aus Holz und dementsprechend bemalt gewesen.
    War echt cool damals, hinter die Kulissen des Filmbizz zu blicken.
    MkG Michael

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