Bildungsreise 2022

Im Bulletin 1/22 der GFL vom 24. April 2022 teilt das Präsidium seinen Mitgliedern
mit, dass trotz sinkender Infektionszahlen in ganz Europa Corona noch immer ein
Thema ist, wenn es um Zutritt zu militärischen Einrichtungen und Fliegerhorsten im
Speziellen geht. Der angestrebte Besuch bei der FRECCE TRICOLORI in diesem
Jahr erscheint nicht mehr realistisch.
Es wurde daher in der Präsidiumssitzung vom 11. April 2022 beschlossen in diesem
Jahr das Bunkermuseum Wurzenpass/Kärnten zu besuchen.

Zur Geschichte des Bunkermuseums:

Was heute als Museumsareal öffentlich zugänglich ist war bis 2002 der geheim- und
einsatzbereit gehaltene Kernbereich der ehemaligen Sperrstellung WURZEN/73.
Im „Kalten Krieg“ hat das Bundesheer an wichtigen Orten im ganzen Land gegen den
Angriff und Durchmarsch durch fremde Truppen der NATO oder des Warschauer
Paktes ein geheimes Netz von Bunkern, Stellungen und Sperren errichtet.

Die Grundidee des Raumverteidigungskonzeptes der so genannten Spannocchi-
Doktrin war es, entlang von wichtigen Bewegungslinien durch tiefgestaffelte Sperren,

die durch Bunker überwacht wurden, einen Angreifer zum Stehen zu bringen. Mobile
Elemente sollten sie verstärken. So auch am Wurzenpass, wo die größte
zusammenhängende Sperrstellung Österreichs mit ihrem Kernareal (heute
Bunkermuseum) sowie vier weiteren Bunkern im Umfeld entstehen. Sie wurden
zwischen 1963 und 1995 errichtet und schrittweise ausgebaut. Nirgends sonst in
Österreich gab es so viele Bunker auf so engem Raum.
Entlang der Wurzenpass-Bundesstraße waren drei Steck- und zwei Sprengsperren
eingebaut, um Vorstöße aus Jugoslawien in den „Schlüsselraum 73“
(Arnoldstein/Villach) zu verhindern. 1968 beim Prager Frühling und 1991 beim
Slowenischen Freiheitskampf waren die Anlagen einsatzmäßig besetzt. Soldaten des
ÖBH mussten die Anlagen und die Staatsgrenze mit scharfer Munition sichern.
1979 wurde eigens die Sperrkompanie WURZEN/73 mit 250 Reservisten aufgestellt.
Weitere 1.200 Reservisten sowie vier Jagdpanzer waren zur Verstärkung eingeplant.
Damit war der Wurzenpass tatsächlich „Österreichs Alpenfestung im Kalten Krieg“.
In diesem Originalzustand steht die in ihrer Art einzigartige Anlage den
Museumsbesucherinnen und -besuchern seit 2005 offen – ergänzt durch eine
Wehrtechnik-Präsentation und zusätzliche Einrichtungen und Schaustücke.
Der letzte Kommandant der Miliz-Sperrkompanie, Herr Mag. Dr. Andreas Scherer
(Oberst des höheren militärfachlichen Dienstes), hat selbstbewusst und überlegen
dank seiner Kompetenz und beharrlich einem Ziel zustrebend diese ehemalige
Verteidigungsanlage zum Bunkermuseum aufgebaut und ausgebaut.
Eine Privatinitiative im öffentlichen Interesse!

Als Eigentümer und Betreiber des Museums haben uns er und sein Team am
11. Juni 2022 willkommen geheißen und nach einer Einführung worum es geht und
wo ist was … das 11.400 m2 große Areal selbständig erkunden lassen.

Der Besuch im Bunkermuseum:

29 Teilnehmer kamen mit dem komfortablen Bus der Firma Tieber aus Zeltweg,
2 Teilnehmer aus Salzburg reisten bereits am Vortag mit dem privaten PKW an, um
einem prognostizierten Stau auf der Tauernautobahn zu entgehen.
Ich nehme an, dass es für alle und vor allem in gedanklicher Verbindung mit den
Geschehnissen in der Ukraine, ein ganz besonderes Besuchserlebnis war.
Sieben Bunker zur Panzer- und Infanterieabwehr, für Führung und Versorgung sowie
als Unterstände für die Soldaten, die untereinander mit weitläufigen, teils
tunnelartigen Gängen samt Kampfstellungen, verbunden sind, ergaben einen ersten
Eindruck von diesem historisch bedeutenden Originalschauplatz.

In einer einzigartigen Wehrtechnik-Präsentation von speziellen Waffensystemen
werden alle Typen von verbunkerten Panzertürmen und Kanonen der Artillerie,
Panzer- und Fliegerabwehr sowie mobile Waffensysteme, die das Österreichische
Bundesheer im Kalten Krieg zur Verfügung hatte, gezeigt.
Alle Waffensysteme sind funktionsuntüchtig gemacht.

Zusätzlich verschiedene Infanterie- und Panzersperren, Granatwerfer der
Sperrtruppe, Scheinanlagen (Attrappen zur Täuschung), der Jagdpanzer Kürassier,

Schützenpanzer Saurer/Steyr A1, eine Feldküche M58 (Gulaschkanone) und Steyr-
Radfahrzeuge (Haflinger, Pinzgauer).

Zusätzlich gab es die Möglichkeit einer Mitfahrt in einem original österreichischen
Schützenpanzer Saurer/Steyr SPzA1 durch das Bunkerareal an. Nicht zum Spaß
sondern als Bewusstseinsvermittlung wie es sich für Soldaten anfühlt, wenn sie mit
solchen Fahrzeugen möglichst weit an ihr Angriffsziel gebracht werden.

Bei einem von Sigi Trupp – ein Ex-Heeresfeldkoch und RK-Landesküchenchef
Kärnten – persönlich zubereiteten Gulasch mit regionalem Rindfleisch gab es
Gelegenheit sich zu stärken und das Erlebte zu besprechen und mit dem Chef des
Hauses erklärend auszutauschen.

Zur Erinnerung konnte man im Museumsshop einen Abdruck der Dissertation

Sperren, Bunker und Stellungen

Österreichische Landesbefestigungen im Kalten Krieg

Fokus Zone 73

von Mag. phil. Andreas Scherer erwerben, die er als Abschluss seines
Doktorstudiums der Geschichte an der Universität Wien eingereicht hat.

Es war eine sehr eindrucksvolle Reise in das Dreiländereck

Italien, Slowenien und Österreich

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